Sparen oder investieren?

Geld zurückzulegen und Geld zu investieren sind zwei unterschiedliche Dinge. Während beim Sparen vor allem Sicherheit und Verfügbarkeit im Vordergrund stehen, geht es beim Investieren darum, langfristig Vermögen aufzubauen.

Nicht jedes Geld muss investiert werden. Gleichzeitig kann es bei langfristigen Zielen sinnvoll sein, sich nicht ausschließlich auf unverzinstes oder niedrig verzinstes Sparen zu verlassen.

Der wichtigste Grundsatz: Geld kann unterschiedliche Aufgaben haben. Für den Alltag, Notfälle und kurzfristige Ausgaben steht Verfügbarkeit im Vordergrund. Für langfristige Ziele können andere Anlageformen eine Rolle spielen.

Sparen und Investieren – was ist der Unterschied?

Sparen

Beim Sparen wird Geld für einen späteren Zeitpunkt zurückgelegt. Dabei stehen häufig Sicherheit und schnelle Verfügbarkeit im Mittelpunkt. Typische Beispiele sind Guthaben auf dem Girokonto oder Tagesgeld.

Investieren

Beim Investieren wird Geld in Vermögenswerte wie Aktien, ETFs oder Anleihen angelegt. Dadurch entstehen Renditechancen, gleichzeitig kann der Wert der Anlage schwanken.

Wichtig Sicherheit, Verfügbarkeit und Renditechance lassen sich bei einer Geldanlage nicht beliebig gleichzeitig maximieren. Welche Eigenschaften wichtig sind, hängt davon ab, wofür das Geld gedacht ist.

Das Girokonto: Geld für den Alltag

Das Girokonto ist in erster Linie für den täglichen Zahlungsverkehr gedacht. Gehalt, Miete, Rechnungen, Überweisungen und Kartenzahlungen laufen typischerweise über das Girokonto.

Deshalb ist es sinnvoll, dort ausreichend Geld für die regelmäßigen Ausgaben bereitzuhalten.

Größere Beträge, die langfristig nicht benötigt werden, sind jedoch etwas anderes als das Geld für den alltäglichen Zahlungsverkehr. Hier kann sich die Frage stellen, ob eine andere Form der Rücklage oder Geldanlage sinnvoller ist.

Der Notgroschen: Reserve für unerwartete Ausgaben

Ein Notgroschen ist eine finanzielle Reserve für Ausgaben, die nicht geplant waren und kurzfristig bezahlt werden müssen.

Unerwartete Reparaturen

Beispielsweise eine größere Autoreparatur, eine defekte Waschmaschine oder eine notwendige Reparatur in der Wohnung.

Vorübergehender Einkommensausfall

Eine liquide Reserve kann helfen, laufende Ausgaben auch dann zu bezahlen, wenn das Einkommen vorübergehend niedriger ausfällt.

Der Zweck des Notgroschens ist nicht die Erzielung einer möglichst hohen Rendite. Er soll finanzielle Flexibilität schaffen und kurzfristige Engpässe abfedern.

Wie groß sollte der Notgroschen sein?

Eine allgemeingültige Summe gibt es nicht. Die sinnvolle Höhe hängt von der persönlichen Lebenssituation ab.

Eine Rolle spielen beispielsweise:

  • monatliche Fixkosten
  • Höhe und Stabilität des Einkommens
  • Beschäftigungs- oder Selbstständigkeitssituation
  • Auto, Immobilie oder andere größere Verpflichtungen
  • Familie und weitere Personen im Haushalt
  • bereits vorhandene Rücklagen

Als grobe Orientierung werden häufig mehrere Monatsausgaben oder Monatsgehälter genannt. Das ist jedoch eine Faustregel und ersetzt keine Betrachtung der eigenen finanziellen Situation.

CleverFaktor-Tipp Ein Notgroschen sollte vor allem so bemessen sein, dass unerwartete Ausgaben nicht sofort zu einem finanziellen Problem werden.

Warum eignet sich Tagesgeld für Rücklagen?

Rücklagen müssen vor allem verfügbar sein. Tagesgeld kann dafür eine praktische Möglichkeit sein, weil das Geld jederzeit verfügbar ist und nicht den täglichen Zahlungsverkehr des Girokontos belastet.

Guthaben bei Banken unterliegen in Deutschland grundsätzlich der gesetzlichen Einlagensicherung. Für geschützte Einlagen gilt dabei grundsätzlich eine Grenze von 100.000 Euro je Einleger und Bank.

Wichtig: Die Einlagensicherung schützt Guthaben innerhalb der gesetzlichen Grenzen vor dem Ausfall eines Kreditinstituts. Sie schützt jedoch nicht vor einem Verlust an Kaufkraft durch Inflation.

Warum Sparen allein langfristig problematisch sein kann

Geld, das langfristig nahezu unverzinst liegt, kann durch Inflation an Kaufkraft verlieren.

Dabei kann der Euro-Betrag auf dem Konto zwar unverändert bleiben, gleichzeitig können die Preise für Waren und Dienstleistungen steigen. Das gleiche Guthaben reicht dann später für weniger.

Genau deshalb ist bei langfristigen Zielen nicht nur der nominale Kontostand interessant, sondern auch die Entwicklung der realen Kaufkraft.

Beispiel: 10.000 Euro bleiben nominal 10.000 Euro. Bei dauerhaft steigenden Preisen kann ihre Kaufkraft über viele Jahre trotzdem deutlich sinken.

Mehr dazu Wie Inflation die Kaufkraft beeinflusst, erklären wir ausführlich auf unserer Wissensseite zum Thema Inflation.

Wann kann langfristiges Investieren eine Rolle spielen?

Investieren kann insbesondere bei langfristigen finanziellen Zielen relevant werden. Im Gegensatz zu einem reinen Sparguthaben unterliegen Wertpapieranlagen jedoch Wertschwankungen.

Dadurch entstehen einerseits höhere Renditechancen, andererseits aber auch das Risiko von Verlusten.

Ob eine Geldanlage zum eigenen Ziel passt, hängt unter anderem von Anlagehorizont, Risikobereitschaft, finanzieller Situation und dem jeweiligen Anlageprodukt ab.

Der Anlagehorizont ist entscheidend

Ein wichtiger Unterschied zwischen Sparen und Investieren ist die Frage, wann das Geld benötigt wird.

Kurzfristig

Geld für laufende Ausgaben oder einen unmittelbar bevorstehenden Bedarf sollte in der Regel verfügbar bleiben.

Für Notfälle

Der Notgroschen sollte ebenfalls liquide und möglichst wertstabil gehalten werden.

Mittelfristig

Bei geplanten größeren Ausgaben sollte berücksichtigt werden, wie viel Wertschwankung bis zum Zeitpunkt des benötigten Geldes akzeptabel ist.

Langfristig

Bei langen Zeiträumen können Wertpapieranlagen eine Möglichkeit zum Vermögensaufbau darstellen. Gleichzeitig bleiben Kursschwankungen und Verlustrisiken bestehen.

Risiko und Rendite gehören zusammen

Bei Geldanlagen besteht ein grundlegender Zusammenhang zwischen Renditechance und Risiko.

Anlagen mit höherer möglicher Rendite können stärkeren Wertschwankungen unterliegen. Besonders bei Aktien und Aktien-ETFs kann es zeitweise zu deutlichen Kursverlusten kommen.

Eine Anlage mit sehr hoher Renditechance bei gleichzeitig vollständiger Sicherheit und jederzeitiger Verfügbarkeit gibt es nicht.

Mehr Sicherheit

Häufig geringere Wertschwankungen, dafür in vielen Fällen auch geringere Renditechancen.

Mehr Renditechance

Häufig stärkere Schwankungen und damit ein höheres Risiko für zwischenzeitliche oder dauerhafte Verluste.

Warum Diversifikation wichtig sein kann

Wird Geld investiert, spielt die Verteilung des Risikos eine wichtige Rolle.

Wer nur in ein einzelnes Unternehmen investiert, ist stark von dessen Entwicklung abhängig. Wird das Kapital dagegen auf viele Unternehmen verteilt, kann der Einfluss einzelner Unternehmen auf das gesamte Portfolio geringer ausfallen.

Breit gestreute ETFs können diese Diversifikation ermöglichen. Allerdings schützt auch eine breite Streuung nicht vor allgemeinen Kursverlusten an den Finanzmärkten.

Mehr dazu Die Grundlagen zu Aktien und ETFs erklären wir ausführlich in unseren Wissensseiten zu Aktien und ETF.

Was sollte man vor dem Investieren prüfen?

  • Ist der alltägliche Zahlungsverkehr ausreichend abgesichert?
  • Ist ein finanzieller Notgroschen vorhanden?
  • Gibt es teure oder hoch verzinste Schulden?
  • Wann wird das Geld voraussichtlich wieder benötigt?
  • Wie stark dürfen Wertschwankungen ausfallen?
  • Welches Anlageziel soll mit dem Geld verfolgt werden?
CleverFaktor-Tipp Je klarer der Zweck des Geldes ist, desto leichter lässt sich entscheiden, wie viel davon liquide bleiben und wie viel davon langfristig angelegt werden kann.

Teure Schulden zuerst betrachten

Vor einer langfristigen Geldanlage kann es sinnvoll sein, bestehende hoch verzinste Schulden zu berücksichtigen.

Wer beispielsweise einen teuren Konsumentenkredit zurückzahlt, vermeidet damit sichere Zinskosten. Eine Geldanlage bietet dagegen keine garantierte Rendite.

Welche Reihenfolge sinnvoll ist, hängt von der Höhe, Verzinsung und Art der Schulden sowie von der persönlichen finanziellen Situation ab.

Regelmäßiges Investieren mit einem Sparplan

Langfristiges Investieren muss nicht zwingend mit einer großen Einmalanlage beginnen.

Über einen Sparplan kann beispielsweise regelmäßig ein vorher festgelegter Betrag in einen ETF investiert werden.

Dadurch lässt sich das Investieren automatisieren. Das grundsätzliche Kursrisiko der gewählten Anlage bleibt jedoch bestehen.

Wichtig Ein Sparplan macht eine Geldanlage nicht automatisch sicher. Er verändert vor allem die Art und Weise, wie das Geld investiert wird.

Der Zinseszinseffekt

Werden Erträge nicht entnommen, sondern wieder angelegt, können auf bereits erzielte Erträge weitere Erträge entstehen. Dieser Effekt wird als Zinseszinseffekt bezeichnet.

Ein rein rechnerisches Beispiel:

10.000 Euro bei 5 % jährlicher Rendite über 20 Jahre würden sich ohne weitere Einzahlungen und ohne Berücksichtigung von Kosten und Steuern rechnerisch auf rund 26.533 Euro entwickeln.

Das Beispiel dient ausschließlich dazu, den mathematischen Effekt zu verdeutlichen. Eine jährliche Rendite von 5 % ist keine Garantie für eine tatsächliche Geldanlage.

Ein möglicher Weg vom Sparen zum Investieren

1

Alltag absichern

Ausreichend Geld für laufende Ausgaben auf dem Girokonto bereithalten.

2

Notgroschen aufbauen

Eine liquide Reserve für unerwartete Ausgaben schaffen.

3

Rücklagen planen

Geld für absehbare größere Ausgaben getrennt vom langfristigen Vermögensaufbau betrachten.

4

Langfristig investieren

Geld, das langfristig nicht benötigt wird, kann für einen strukturierten Vermögensaufbau eingesetzt werden.

Sparen und Investieren sind keine Gegensätze

In einer persönlichen Finanzplanung können beide Bereiche gleichzeitig vorkommen.

Ein Teil des Geldes kann für den Alltag und unerwartete Ausgaben verfügbar bleiben. Weitere Rücklagen können für absehbare Ziele vorgesehen werden. Geld mit einem langen Anlagehorizont kann dagegen grundsätzlich anders behandelt werden.

Girokonto

Für den täglichen Zahlungsverkehr und kurzfristig benötigtes Geld.

Tagesgeld / Rücklagen

Für Notgroschen und andere liquide Rücklagen.

Mittelfristige Ziele

Für geplante Ausgaben, bei denen der Zeitpunkt bereits absehbar ist.

Langfristige Geldanlage

Für längerfristige Ziele, bei denen Wertschwankungen akzeptiert werden können.

Häufige Fragen zum Sparen und Investieren

Muss ich mein gesamtes Geld investieren?

Nein. Geld für laufende Ausgaben, Notfälle und kurzfristige Ziele sollte entsprechend seiner Funktion verfügbar bleiben. Welche Beträge langfristig investiert werden können, hängt von der persönlichen Situation ab.

Warum sollte der Notgroschen nicht in Aktien liegen?

Weil der Notgroschen im Bedarfsfall kurzfristig verfügbar sein soll. Aktien können dagegen deutlich im Wert schwanken. Ein notwendiger Verkauf in einer ungünstigen Marktphase könnte deshalb zu einem Verlust führen.

Wie viel Geld sollte auf dem Girokonto bleiben?

Das hängt vom persönlichen Zahlungsverkehr und den regelmäßigen Ausgaben ab. Auf dem Girokonto sollte grundsätzlich genug Geld für die laufenden Zahlungen vorhanden sein.

Wie viel sollte mein Notgroschen betragen?

Dafür gibt es keine für jeden passenden festen Betrag. Einkommen, Fixkosten, berufliche Situation, Familie und weitere Verpflichtungen können die notwendige Reserve beeinflussen.

Warum kann Sparen trotz sicherem Kontostand zu einem Kaufkraftverlust führen?

Wenn die Verzinsung niedriger ist als die Inflation, kann das Guthaben zwar nominal erhalten bleiben oder wachsen, gleichzeitig aber real an Kaufkraft verlieren.

Was ist der Unterschied zwischen Tagesgeld und Geldanlage in Aktien?

Tagesgeld dient typischerweise der sicheren und verfügbaren Geldreserve. Aktien sind Wertpapiere mit deutlich stärkeren Kursschwankungen und entsprechenden Renditechancen und Risiken.

Wann kann ein Investmenthorizont zu kurz sein?

Je näher ein konkreter Zeitpunkt liegt, an dem das Geld zwingend benötigt wird, desto problematischer können starke Wertschwankungen sein. Deshalb sollte der Zeitraum immer gemeinsam mit dem gewählten Risiko betrachtet werden.

Sind ETFs automatisch für langfristiges Investieren geeignet?

Nicht jeder ETF hat das gleiche Risikoprofil. Entscheidend ist, welche Märkte, Regionen oder Anlageklassen der jeweilige ETF abbildet.

Kann ein Sparplan Verluste verhindern?

Nein. Ein Sparplan verändert die Art der Investition, verhindert aber keine Kursschwankungen oder Verluste des zugrunde liegenden Wertpapiers.

Warum sind teure Kredite vor dem Investieren relevant?

Bei einem hoch verzinsten Kredit stehen sichere Zinskosten der möglichen, aber nicht garantierten Rendite einer Geldanlage gegenüber. Deshalb sollte die eigene Schuldensituation bei der Finanzplanung berücksichtigt werden.

Fazit

Sparen und Investieren erfüllen unterschiedliche Aufgaben. Geld für den Alltag und unerwartete Ausgaben sollte verfügbar bleiben, während langfristig nicht benötigtes Kapital grundsätzlich anders eingesetzt werden kann.

Der erste Schritt ist deshalb nicht die Frage, welches Finanzprodukt gekauft werden soll. Entscheidend ist zunächst, welchen Zweck das Geld hat und wann es benötigt wird.

Aus dieser Einteilung ergibt sich häufig eine sinnvolle Trennung zwischen Girokonto, Notgroschen, Rücklagen und langfristiger Geldanlage.

Rechtlicher Hinweis

Die Inhalte auf dieser Seite dienen ausschließlich der allgemeinen Information und Weiterbildung. Sie stellen keine individuelle Finanz-, Anlage- oder Steuerberatung und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Finanzprodukten dar. Jede Geldanlage ist mit Risiken verbunden. Informiere dich vor einer Anlageentscheidung umfassend und berücksichtige deine persönliche finanzielle Situation.