Diversifikation

Diversifikation gehört zu den wichtigsten Grundprinzipien der Geldanlage. Gemeint ist damit, das Vermögen nicht von einzelnen Unternehmen, Märkten oder Anlageklassen abhängig zu machen. Eine breite Streuung kann bestimmte Risiken reduzieren – sie macht ein Portfolio aber nicht risikofrei.

Was bedeutet Diversifikation?

Diversifikation bedeutet, Kapital auf verschiedene Anlagen und Risikotreiber zu verteilen. Statt das gesamte Vermögen auf eine einzelne Aktie, Branche, Region oder Anlageklasse zu konzentrieren, wird die Abhängigkeit von einzelnen Risiken reduziert.

Der Grundgedanke: Wenn sich eine einzelne Anlage schlecht entwickelt, soll dies nicht automatisch das gesamte Portfolio bestimmen.

Dabei geht es nicht darum, möglichst viele Produkte zu besitzen. Entscheidend ist, welche Wertpapiere und Risiken tatsächlich dahinterstehen.

Warum ist Streuung wichtig?

Wer sein gesamtes Kapital in ein einziges Unternehmen investiert, trägt ein hohes unternehmensspezifisches Risiko. Eine Insolvenz, ein Managementproblem oder ein starker Einbruch der Geschäftsentwicklung kann das gesamte Investment treffen.

Wird das Kapital dagegen auf viele unterschiedliche Unternehmen verteilt, betrifft ein Problem bei einem einzelnen Unternehmen nur einen Teil des Portfolios.

Einfaches Beispiel:
Wer 10.000 Euro vollständig in eine einzelne Aktie investiert und diese Aktie 40 Prozent verliert, liegt zunächst 4.000 Euro im Minus. Bei einem breit gestreuten Portfolio würde der gleiche Kursrückgang bei nur einer einzelnen Position das Gesamtvermögen deutlich weniger stark beeinflussen.

Diversifikation reduziert damit vor allem Risiken, die einzelne Unternehmen oder einzelne Märkte betreffen.

Auf mehreren Ebenen diversifizieren

Unternehmen

Statt nur ein oder wenige Unternehmen zu halten, kann das Kapital auf zahlreiche Unternehmen verteilt werden.

Branchen

Eine Streuung über unterschiedliche Branchen reduziert die Abhängigkeit von einer einzelnen wirtschaftlichen Entwicklung.

Länder und Regionen

Eine internationale Aufteilung verhindert, dass das Portfolio vollständig von der Entwicklung eines einzelnen Landes abhängt.

Anlageklassen

Zusätzlich kann das Vermögen auf unterschiedliche Anlageklassen wie Aktien, Anleihen, Tagesgeld oder weitere Anlagen verteilt werden.

Diversifikation bei Aktien

Bei Aktien kann Streuung auf mehreren Ebenen erfolgen. Ein Portfolio aus Unternehmen unterschiedlicher Branchen und Regionen ist weniger stark von einzelnen Entwicklungen abhängig als ein Portfolio mit wenigen, sehr ähnlichen Aktien.

Portfolio Grad der Streuung
Eine einzelne Aktie Sehr hohe Abhängigkeit von einem Unternehmen
Mehrere Aktien derselben Branche Unternehmensrisiko reduziert, Branchenrisiko weiterhin hoch
Viele Aktien verschiedener Branchen Breitere Streuung innerhalb des Aktienmarktes
Internationale Aktien verschiedener Branchen Zusätzliche Streuung über Regionen und Märkte

Ist ein ETF automatisch diversifiziert?

Ein breit aufgestellter ETF kann bereits viele verschiedene Unternehmen enthalten und dadurch eine hohe Streuung innerhalb einer Anlageklasse ermöglichen.

Entscheidend ist allerdings immer, welchen Index beziehungsweise welche Wertpapiere ein ETF tatsächlich abbildet. Ein ETF auf einen einzelnen Sektor oder ein einzelnes Land ist deutlich konzentrierter als ein weltweit ausgerichteter Aktien-ETF.

Mehr ETFs bedeuten nicht automatisch mehr Diversifikation. Mehrere ETFs können sich bei den enthaltenen Unternehmen stark überschneiden.

Warum viele Produkte nicht automatisch besser sind

Ein Depot kann auf den ersten Blick sehr breit aufgestellt wirken, obwohl sich dahinter immer wieder dieselben Unternehmen befinden.

Beispiel:
Ein Anleger besitzt einen weltweit ausgerichteten ETF, einen S&P-500-ETF, einen Technologie-ETF und zusätzlich mehrere große US-Technologieaktien. Die Anzahl der Positionen ist hoch – gleichzeitig können einzelne Unternehmen in mehreren Anlagen enthalten sein.

Deshalb sollte Diversifikation nicht anhand der Anzahl der ETFs oder Wertpapiere beurteilt werden. Wichtiger ist die tatsächliche Zusammensetzung des Portfolios.

Was bedeutet Korrelation?

Korrelation beschreibt vereinfacht, wie stark sich zwei Anlagen im Verhältnis zueinander bewegen.

Wenn verschiedene Anlagen nicht immer gleichzeitig steigen oder fallen, kann das für die Risikostreuung eines Portfolios hilfreich sein.

Ähnliche Entwicklung

Wenn zwei Anlagen fast immer gleichzeitig steigen und fallen, bringen sie für die Streuung weniger zusätzlichen Nutzen.

Unterschiedliche Entwicklung

Wenn sich zwei Anlagen unterschiedlich entwickeln, können sie das Gesamtrisiko eines Portfolios stärker verteilen.

Korrelationen sind allerdings nicht dauerhaft konstant. In starken Marktphasen können sich zuvor unterschiedlich bewegende Anlagen gleichzeitig in dieselbe Richtung entwickeln.

Diversifikation über Anlageklassen

Die Streuung kann über die Aktienanlage hinausgehen. Unterschiedliche Anlageklassen reagieren nicht immer gleich auf wirtschaftliche Entwicklungen.

Aktien

Beteiligungen an Unternehmen mit entsprechenden Chancen, aber auch deutlichen Kursrisiken.

Anleihen

Schuldverschreibungen mit anderem Chancen- und Risikoprofil als Aktien.

Tages- und Festgeld

Liquide beziehungsweise planbare Geldanlagen, die sich grundsätzlich anders verhalten als Wertpapiere.

Weitere Anlageklassen

Je nach persönlicher Situation können weitere Anlageformen zur Vermögensstruktur gehören.

Welche Gewichtung sinnvoll ist, hängt unter anderem von Anlageziel, Anlagehorizont und persönlicher Risikobereitschaft ab.

Schützt Diversifikation vor Verlusten?

Nein. Diversifikation kann bestimmte Risiken reduzieren, verhindert aber keine Verluste des gesamten Marktes.

Auch ein breit gestreutes Aktienportfolio kann bei einem starken Börsenrückgang deutlich an Wert verlieren. Ebenso können mehrere Anlageklassen gleichzeitig unter ungünstigen Marktbedingungen leiden.

Merksatz: Diversifikation reduziert bestimmte Risiken – sie beseitigt Risiko nicht.

Zeitliche Streuung

Diversifikation kann sich nicht nur auf verschiedene Anlagen beziehen, sondern auch auf unterschiedliche Kaufzeitpunkte.

Wer regelmäßig investiert, verteilt seine Käufe über mehrere Zeitpunkte. Dadurch wird nicht das gesamte Kapital zu einem einzigen Marktpreis investiert.

Regelmäßiges Investieren beseitigt das Marktrisiko nicht. Es verteilt lediglich die Einstiegszeitpunkte über einen längeren Zeitraum.

Kann man zu stark diversifizieren?

Auch eine sehr große Zahl von Positionen ist nicht automatisch sinnvoll. Viele ähnliche Anlagen können unnötige Überschneidungen erzeugen und das Portfolio komplizierter machen.

  • mehr Produkte bedeuten nicht automatisch mehr Streuung
  • ähnliche ETFs können dieselben Unternehmen enthalten
  • zusätzliche Positionen können das Depot unübersichtlicher machen
  • kleine Einzelpositionen müssen nicht zwingend einen zusätzlichen Nutzen bringen

Nicht möglichst viel besitzen, sondern sinnvoll streuen.

Diversifikation passend zum Anlageziel

Eine sinnvolle Streuung beginnt nicht mit der Frage, wie viele ETFs oder Aktien gekauft werden sollen. Zuerst sollte klar sein, wofür das Geld gedacht ist und wann es benötigt wird.

Geld für kurzfristige Ausgaben wird anders behandelt als langfristig angelegtes Vermögen. Deshalb gehören Anlageziel, Anlagehorizont, Risikobereitschaft und Diversifikation zusammen.

Vereinfacht:
Je länger der Anlagehorizont und je höher die persönliche Risikotragfähigkeit, desto größer kann der Anteil schwankungsreicher Anlagen ausfallen. Kurzfristig benötigtes Geld sollte dagegen nicht unnötig hohen Kursrisiken ausgesetzt werden.

Was Diversifikation nicht bedeutet

Keine automatische Diversifikation Worum es tatsächlich geht
Möglichst viele Produkte kaufen Risiken gezielt auf unterschiedliche Anlagen verteilen
Möglichst viele ETFs besitzen Die tatsächliche Zusammensetzung des Portfolios betrachten
Verluste vollständig verhindern Einzelne Risiken begrenzen
Eine bestimmte Rendite garantieren Das Portfolio weniger abhängig von einzelnen Entwicklungen machen

Häufige Fragen

Was bedeutet Diversifikation?

Diversifikation bedeutet, das Vermögen auf verschiedene Anlagen, Unternehmen, Branchen, Regionen oder Anlageklassen zu verteilen, um die Abhängigkeit von einzelnen Risiken zu reduzieren.

Warum ist Diversifikation wichtig?

Eine breite Streuung kann das Risiko reduzieren, dass eine einzelne schlechte Entwicklung das gesamte Portfolio stark beeinflusst.

Ist ein ETF automatisch diversifiziert?

Nicht jeder ETF ist gleich breit gestreut. Entscheidend ist, welche Unternehmen, Regionen oder Branchen der jeweilige ETF abbildet.

Sind mehrere ETFs besser als ein ETF?

Nicht automatisch. Mehrere ETFs können sich stark überschneiden. Entscheidend ist die tatsächliche Zusammensetzung des gesamten Depots.

Kann Diversifikation Verluste verhindern?

Nein. Auch ein breit gestreutes Portfolio kann bei einem allgemeinen Marktrückgang deutlich an Wert verlieren.

Was bedeutet Korrelation?

Korrelation beschreibt vereinfacht, wie stark sich zwei Anlagen im Verhältnis zueinander bewegen. Unterschiedliche Kursentwicklungen können für die Risikostreuung hilfreich sein.

Kann man zu stark diversifizieren?

Ja. Sehr viele ähnliche Positionen können das Portfolio unnötig kompliziert machen, ohne die Streuung wesentlich zu erhöhen.

Reduziert ein Sparplan das Anlagerisiko?

Ein Sparplan verteilt die Käufe über verschiedene Zeitpunkte. Das Marktrisiko selbst wird dadurch nicht beseitigt.

Welche Anlageklassen kann man miteinander kombinieren?

Je nach Anlageziel kommen beispielsweise Aktien, Anleihen, Tages- und Festgeld sowie weitere Anlageformen infrage. Welche Gewichtung sinnvoll ist, hängt von der persönlichen Situation ab.

Fazit

Diversifikation ist ein grundlegendes Prinzip der Geldanlage. Durch eine gezielte Streuung über Unternehmen, Branchen, Regionen und gegebenenfalls verschiedene Anlageklassen lässt sich die Abhängigkeit von einzelnen Risiken reduzieren. Entscheidend ist dabei nicht die Anzahl der Produkte, sondern die tatsächliche Zusammensetzung des Portfolios. Gleichzeitig bleibt auch ein breit diversifiziertes Depot dem allgemeinen Marktrisiko ausgesetzt.